10 August 2015

Uniburgh - neue Webseite zur Zimmer und Wohnungssuche in Edinburgh (auch für Nicht-Studenten interessant)

Ich habe eine neue Webseite gestartet, um das Problem der Wohnraumsuche separat zu behandeln:

www.uniburgh.net

Auf der Webseite fasse ich alle Informationen zusammen, die die Suche nach einem Zimmer oder einer Wohnung in Edinburgh vereinfachen sollen. Es finden sich auch hilfreiche Tipps zum Wohnungsmarkt allgemein in Großbritannien wie z.B. gängige Fachbegriffe, Prozesse und gesetzliche Rahmenbedingungen etc. Dieser Blog bleibt vorerst an Ort und Stelle und soll weiterhin als Fundus an persönlichen Einblicken und Eindrücken ins studentische Leben in Edinburgh bzw. Schottland dienen.

26 Juli 2012

Über Rassimus und das Auslandsstudium als Chance, sich erst zu finden und dann neu zu erfinden

Kürzlich hatte ich eine unangenehme und traurige Erfahrung gemacht mit Rassismus in Deutschland, die mich sehr bewegt und beschäftigt hat. Das hat mich bewogen diesen Beitrag zu verfassen, in dem ich die Erfahrung beschreibe, ueber Rassismus diskutiere und einen Vorschlag für Studenten mache, wie man Rassismus vermeiden kann.

Ich wurde angeschrieben von einer Studentin aus Deutschland, die um Hilfe bei der Wohnungssuche in Edinburgh gebeten hat. Wir haben uns mehrfach ausgetauscht, über facebook befreundet und ich habe den Kontakt zu einem anderen Studenten in der gleichen Situation vermittelt. Danach war Funkstille.

Wenige Wochen später und kurz nach dem Fußball EM-Finale 2012 Spanien gegen Italien entdeckte ich eine Konversation der Studentin auf facebook. Ohne auf den genauen Inhalt einzugehen (ein Screenshot der gesamten Diskussion ist am Ende des Eintrags zu finden, unterhalb dieser Passage ist die Status-Meldung gepostet, der die Diskussion startete), fasse ich die Aussagen zusammen. In dieser Konversation wurde über das Finalspiel und konkret Mario Balotelli (italienischer Nationalspieler dessen Eltern ursprünglich aus Ghana emigriert sind) diskutiert. Bei dieser Konversation fielen jedoch die Worte "Banane", "Gorilla" und "Zoo". Dies sind altbekannte rassistische Bilder, auf Grundlage derer auch bei anderen Spielen mit Balotelli als Teilnehmer Bananen aufs Spielfeld geworfen wurden.



Ich entschloss mich, in die Diskussion einzusteigen und kurz aber deutlich zu sagen, dass die Wortwahl überhaupt nicht in Ordnung war (das war schließlich eindeutig Rassismus). Was folgte war ein Wortwechsel zwischen ihr, ihrer Freundin und mir. Es kamen Rechtfertigungsversuche (in etwa: Mario Balotelli habe sich in einem Interview selber als "Tier" bezeichnet) und Beschuldigungen, dass ich überempfindlich sei. Am Ende wurde ich mit dem Schlusssatz "Get a life" abserviert.

In Anbetracht des Gesprächsverlaufs und dem mangelnden Bewusstsein für die Problematik auf Seite der Studentin und ihrer Freundin war ich schwer entgeistert, total baff und fühlte mich machtlos. Zum Zeitpunkt des Wortwechsels befand ich mich auf einem mehrtägigen Workshop in Stirling. Ich habe mehreren anderen Teilnehmern von dem Gespräch berichtet und sie um ihre Meinung gefragt. Ohne Ausnahme haben mir alle bestätigt, dass ich nicht übertreibe und dass diese Kommentare einfach nicht in Ordnung waren.

Eine meiner nächsten Reaktionen war dann mehr über das Thema Rassismus zu recherchieren, weil mir klar wurde, dass ich selber nicht viel zu dem Thema wusste. Ich fasse meine Erkenntnisse, die ich zu großen Teile dieser Quelle entnommen habe, im Folgenden zusammen. Rassismus ist eine Ideologie, deren harter Kern aus der Behauptung einer Ungleichheit besteht. Anders gesagt, Rassismus ist eine Sammlung an Ideen und Vorstellungen, dass es Menschen gibt die anders sind als man selbst. Eine rassistisch geprägte Denkweise äußert sich dadurch, dass man Menschen entweder nach realen körperlichen Merkmalen (z.B. Hautfarbe oder Gesichtszüge) oder zugeschriebenen Merkmalen (z.B. vermeintlicher Mentalität wie z.B. der temperamentvolle Südländer) unterscheidet. Ein Aspekt fehlt aber noch, bis es wirklich zu dem kommt, was man als Rassismus bezeichnet. Die Zeilen zuvor erklären etwas, das im Kopf passiert. Was fehlt ist nun eine >> Handlung <<, die dieses Denken zu Rassismus werden lässt (und es als solches von anderen beobachtet und als Rassismus erkannt werden kann). Diese Handlung hat als Konsequenz die Ausgrenzung eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen von anderen. Im Falle der Studentin und ihrer Freunde war die Handlung u.a. die Verwendung der Worte "Banane", "Gorilla" und "Zoo". Diese Begriffe sind klar mit der Hautfarbe von Mario Balotelli verknüpft. Ich bezweifle, dass eine ähnliche Diskussion über die Leistungen eines Bastian Schweinsteiger Aussagen über seine Hautfarbe zustande gebracht hätten. Dadurch also, dass das Gespräch beiläufig die Hautfarbe und somit die Ungleichheit von Mario Balotelli zu ihr und ihren Freunden thematisierte, kann den Leuten Rassismus unterstellt werden.

Aber eigentlich brachte mich diese Erkenntnis nicht weiter. Ich kann jetzt zwar mit Argumenten besser begründen, dass die Kommentare rassistisch waren, aber dadurch wird die Welt auch nicht besser. Danach war ich motiviert herauszufinden, wie man die Welt tatsächlich besser machen könnte. Klar war mir zu dem Zeitpunkt, dass das Kategorisieren von Personen nach äußerlichen oder vermeintlichen Merkmalen nicht hilfreich ist und sogar zu unschönen (z.B. rassistischen) Aktionen führen kann. Was also ist das Gegenteil von Kategorisieren? Nicht-Kategorisieren! Einfach ausgedrückt: keine Meinung zu haben und auf Kategorisierung zu verzichten. Dadurch umgeht man eine Gefahr, die bei Kategorisierung ganz hoch ist und zwar das Assoziieren, also das Verknüpfen von einer Beobachtung mit einer in der Vergangenheit gemachten Erfahrung oder mit vermeintlich bestehendem Wissen. Kürzlich habe ich einen Satz gelesen, der meine ganzen vorherigen Überlegungen gut zusammenfasst. Er geht in etwa so:
Wenn jemanden eine Person kategorisiert (z.B. eine Person X sagt: „dieser Mann ist schwarz“), dann sagt es weniger etwas über die kategorisierte Person (also über den vermeintlich „schwarzen“ Mann) aus. Viel mehr aber gibt die kategorisierende Person über sich selbst Auskunft (für diese Person X ist es scheinbar wichtige Menschen nach ihrer Hautfarbe bzw. Rasse zu unterscheiden). 

Wir kommen aber nicht drum herum Personen, Dinge, Beobachtungen, Erlebnisse, Emotionen zu kategorisieren. Es ist sogar wichtig, dass wir Kategorisieren und Entscheidungen treffen basierend auf Kategorisierung: z.B. das Essen ist gesund, ungesund, giftig und so weiter. Wichtig ist es aber „gute“ Kategorien zu verwenden. Was aber „gute“ Kategorien sind, das ist schwer zu sagen, hängen sie eben von lokalen (z.B. wo lebe ich, wo bin ich aufgewachsen) und zeitlichen Faktoren (z.B. was ist heute „in“ und was „out“) ab. Was hier oder heute „gut“ ist, kann dort oder morgen „schlecht“ sein. Um das näher zu ergründen, müsste man in ein Kapitel zum Thema „Werte“ schreiben, was ich hier aber nicht mache. Stattdessen möchte ich lieber zum baldigen Ende kommen und zwar mit einem Vorschlag bzw. Ratschlag für Studenten die ins Ausland gehen, wie sie die Falle der Kategorisierung umgehen können (dies ist aber anwendbar für jedermann im Alltag).

Im Ausland ist vieles anders. Die Menschen, die Umgebung, die Gewohnheiten, die Gepflogenheiten, die Erwartungen und vieles mehr. Was nicht gut ist, weil es Vorurteile generiert, ist das Vergleichen mit dem was man kennt. In Edinburgh z.B. ist vieles anders. Doppelverglaste Fenster sind nicht unbedingt der Standard hier, genauso wenig wie Zentralheizung. Auch kann man hier andersartige Sitten beobachten. An einem kalten Freitagabend im Winter laufen die Damen abends trotzdem in kurzen Röcken, mit nackten Beinen und Stöckelschuhen oder gleich barfüßig durch die Gegend. Wenn man das alles mit Erfahrungswerten aus Deutschland vergleicht, dann ist das nicht normal, ja, das ist ganz anders. Warum ist Deutschland eigentlich das Maß aller unserer Vergleiche? Warum nimmt man Deutschland als Ausgangspunkt eines Vergleichs? Einfach, weil nichts anderes bekannt ist. Und das ist schmalspurig.

Vor meiner Ausreise aus Deutschland nach Schottland hat mir ein Freund gesagt, dass ich mich neu erfinden könnte im Ausland. Er lag damit falsch. Im Ausland habe ich mich nämlich selber überhaupt erst finden können. Erst wann man raus kommt aus seinem Land, lernt man sein eigenes Land richtig kennen. Diese Aussenperspektive ist es, die einem die Augen aufmacht und das sehen lässt, was man zuvor glaubte zu kennen. Das klappt aber nur, wenn man lernt auf Kategorisieren und gleichzeitiges Verurteilen zu verzichten, und zwar da wo man es nicht braucht. Es ist zum Beispiel egal welche Hautfarbe oder welche Gesichtszüge man hat oder ob man klein, groß, dick, dünn, hässlich oder schön ist. Wichtiger ist es ob jemand freundlich, aufgeschlossen, offen oder entgegenkommend ist. Sobald man nach Deutschland zurückkehrt, dann kann man anfangen sich neu zu erfinden.

Eine gute Übung, um den Ratschlag umzusetzen, ist es, einfach mal keine Meinung zu haben. Vergleichen und Kategorisieren sind eine der Hauptfunktionen des Gehirns. Ausschalten kann und sollte man das auch nicht. Was man aber sehr gut kontrollieren kann, ist das, was man ausspricht und mit anderen teilt. Der Vorteil dieser Übung ist das eigene mentale Auseinandersetzen mit einer Kategorisierung. Das gibt einem die Möglichkeit über das, was man gedacht hat und über die unterbewusst durchgeführte Kategorisierung, nachzudenken. Das ist dann die Zeit in der man kurz bewerten kann, ob das Ergebnis der Kategorisierung „gut“ ist. Wie oben bereits beschriebenes ist es jedoch schwer zu sagen, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Ein sehr guter Ausweg ist es also keine Meinung zu haben, das heißt das Ergebnis der Kategorisierung einfach links liegen zu lassen. Denn im Grunde stammen viele unserer Kategorien (und mit „unser“ meine ich gerade junge Studenten, die selber noch nicht lange Zeit im Ausland waren) aus unserer Erziehung und unserer Umgebung in Deutschland. Und ein wichtiger und großer Anteil dieser bestehenden Kategorien sind in Edinburgh nicht gültig! Ich selber komme aus dem schwäbischen Ulm, einer reichen Industriestadt im Süden Deutschlands. Edinburgh ist aber eine Kultur- und Wissenschaftsstadt. Meine Kategorien, die ich aus Ulm damals mitgebracht habe, waren schlichtweg unangebracht, um der Schönheit und Vielfältigkeit Edinburghs gerecht zu werden.

Was heißt es also „sich zu finden“? Sich zu finden bedeutet zu verstehen, wie man „tickt“, wie man denkt, wie man seine Umwelt und die wahrgenommene Realität kategorisiert, versteht und interpretiert. Der erste Schritt in diese Richtung ist ein Bewusstsein aufzubauen dafür, dass man als junger Mensch gefangen ist an ein System an Kategorien und Werten je nachdem wo man her kommt. Der nächste Schritt passiert, wenn man wieder nach Deutschland zurückkehrt, wenn man wieder in das alte System kommt. „Sich neu zu erfinden“ heißt dann, das Leben, die Realität in Deutschland mit neuen Kategorien zu betrachten und neu zu erfahren.

Ein heute publizierter Artikel mit dem Titel „Ist schon schlimm!“ auf jetzt.de (sueddeutsche.de) passt traurigerweise in das Schema zu diesem Blog-Eintrag: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/552034/Ist-schon-schlimm. Eine Schulklasse hat auf ihrer Abschlussfeier ein Lied einer Neonazi-Band gespielt. Der gespielte und auch von den Schülern gesungene Song selber hat keine rechtsradikalen Inhalte gehabt, was als Rechtfertigung für die Selektion ausgereicht hat… es ist traurig zu sehen, wie belanglos das Thema Rassismus und Rechtsradikalismus für nicht zu wenige Leute in Deutschland geworden ist.

Die beschriebene facebook Konversation ist hier nachzulesen: Link zu Screenshot.
Über Kommentare und Feedback würde ich mich wie immer freuen.

21 November 2011

Wohnung,WG und Zimmer finden in Edinburgh (Finding a flatshare in Edinburgh)

In den letzten vier Wochen habe ich zwei Personen intensiv bei der WG-Suche geholfen. Um die Tipps, die in der Zeit doppelt gegeben wurden, auch für zukünftige Suchende zu erhalten, schreibe ich sie hier nieder. Ich weise aber drauf hin, dass sich hier bewusst viel meiner persönlichen Meinungen widerspiegelt. Auch die Hinweise auf Preise und Wohnlagen etc. beziehen sich auf meine Erfahrungen als Student an der Edinburgh Napier University am Campus Merchiston aus den Jahren 2009-2011. Das Tutorial soll als Orientierung dienen und ein paar Tipps geben. Die beiden wichtigsten Tipps vorweg: schaltet euren gesunden Menschenverstand auf besonders achtsam (z.B. Finger weg von dubiosen Vorauszahlungen!!!) und lasst euch nicht entmutigen.

Eine schnelle Stichwort-Suche ("Flatshare" und "Edinburgh") meldet zunächst zahlreiche verschiedene Seiten. Ich habe mir die ersten sechs Treffer angeschaut. Richtig brauchbar erschien mir nur Gumtree. Von meiner letzten WG-Suche (die 1,5 Jahre vom jetzigen Zeitpunkt zurück liegt) weiß ich, dass Gumtree eine dominante Rolle in Edinburgh und auch in Rest-UK spielt. An dieser Stelle kann ich ruhigen Gewissens empfehlen, sich auf diese Plattform zu konzentrieren, da hier die meisten Anzeigen geschaltet werden. Hier ein Link zu den WGs:http://www.gumtree.com/flatshare/edinburgh

Aus Deutschland ist man die bequeme Oberfläche von wg-gesucht.de gewöhnt. Die Alternative starflats.co.uk nutzt scheinbar dieselbe Software, leider ist die Datenbank aber beim heutigen Zugriff so gut wie leer (nur eine Anzeige in den letzten vier Monaten). Gumtree bietet eine intelligente Listendarstellung mit den wichtigsten Details auf einen Blick: das Datum der Anzeigenschaltung, die Lage, den Preis und das früheste Einzugsdatum. Je nach Aufwand des jeweiligen Anbieters findet sich auch ein Bild und eine Kurzbeschreibung des Zimmers. Beim Klick auf die Anzeige wird eine Detailansicht geöffnet, wo in der Regel eine genauere Beschreibung des Zimmers, der Wohnung und der Kontaktmöglichkeit gegeben wird. Eine Google maps Funktion zeigt praktisch die Lage der Wohnung auf.

Die Anzeigen enthalten entweder Telefonnummern oder Emailadressen, unter denen die Anzeigenschalter erreicht werden können. Viele Zimmer werden kurzfristig geschaltet. Besichtigungstermine sind somit entsprechend schnell arrangiert. Nicht überrascht sollte man sein, wenn das Zimmer bei der Besichtigung direkt zugesagt wird. Es kommt oft genug vor, dass die Eigentümer selbst die Bewohner aussuchen und dabei mehr auf die Zahlungsfähigkeit als eine der Hauptqualitäten achten (ausländische Studenten, die für eine absehbare Zeit kommen sind cash cows). Ich selber habe meinem ersten privaten Zimmer auf diese Art bekommen, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, die Mitbewohner kennenzulernen. Die Mehrheit der Mitbewohner war anstrengend, was mich nach nur fünf Monaten wieder aus dem Zimmer zog. Als eher geselliger Mensch weiß ich heute auf gewisse Merkmale zu achten: ein angenehmer Gemeinschaftsraum (Wohnzimmer/Küche) existenziell wichtig, was entweder ein Sofa oder zumindest einen größeren Küchentisch einschließt. Die Wohnqualität ist geringer als in Deutschland, z.B. ist Doppelverglasung nicht unbedingt ein Standard.

Hier ein paar Erklärungen zu weiteren wichtigen und häufigen Begriffen:

  • Preis: wird meistens per week angegeben und muss nicht unbedingt die Nebenkosten enthalten (die sog. "bills": Heizung, Wasser, Strom, TV, Internet, etc.). Die Nebenkosten können grob zwischen 20 und 50 Pfund variieren. Als Orientierung: für mein nicht allzu großes Zimmer in einer guten 3 bed room WG in Bruntsfield zahle ich faire 330 Pfund inklusive bills. Alles über 400 Pfund empfinde ich als teuer und sollte entsprechend gerechtfertigt sein (gute Lage, gute Einrichtung, wenige Mitbewohner...).
  • x bed-room flat: x signalisiert die Anzahl der bewohnbaren Zimmer; Gemeinschaftsräume wie (living room, kitchen, etc.) werden nicht mitgezählt.
  • double room: das "double" bezieht sich auf ein Doppelbett. "Single rooms" sind entsprechend große Zimmer mit schmalen Betten, wie sie aus Wohnheimen und Kinderzimmern bekannt sind.
  • box room: Abstellkammer, zumeist ohne Fenster, werden selten als sehr billige und winzige Zimmer angeboten, was aber per Gesetz verboten ist.
  • Fully furnished: alle WG-Zimmer werden immer voll möbliert angeboten (mir ist noch keine Ausnahme bekannt geworden).
  • Council Tax: lokale Wohnungssteuer. Studenten sind ausgenommen, sofern sie mehr als ein Semester studieren und sie in einer von Studenten bewohnten WG leben. Die Unis geben Listen aus an die Stadtverwaltung, um zu melden, welche Studenten für eine Befreiung berechtigt sind. Einfallsreiche und improvisierte Lösungen seitens der Vermieter in diesem Punkt sind nicht ungewöhnlich.

Die wichtigsten Stadtteile in Edinburgh aus Sicht der Wohnlage (Reihenfolge ist willkürlich):

  • City Centre: teurer, sehr zentral, Wege zu den Unis länger
  • Bruntsfield: Preis etwas höher, schöne Lage, gute Anbindung an Busverkehr
  • Polwarth: billiger als Bruntsfield, weniger Läden, dennoch gute Lage zur Stadtmitte
  • Morningside: etwas gehobener als Bruntsfield, etwas weiter weg von der Stadtmitte, gute Anbindung an Busverkehr
  • Marchmont: normale Preise, nahe an Stadtpark (Meadows), gute Lage, wenig Busverkehr
  • Haymarket: normale Preise, nahe an Princess Street, Castle und Bahnhof
  • Newington: gute Preise, viele Läden, gute Busanbindung
  • Leith: billige Preise, relativ weit weg von Unis, nahe Stadtmitte, viel Busverkehr
  • Tollcross: normale Preise, sehr gute Lage, sehr gute Busanbindung

Ich hoffe, die Hinweise hier helfen zur ersten Orientierung bei der Wohnungssuche. Weitere Informationen und Fragen können unter den Kommentaren diskutiert werden. Gerne arbeite ich dieses Tutorial bei Bedarf weiter aus.

Zu guter Letzt kann ich versichern, dass bisher alle Bekannte ein Zimmer gefunden haben. Je weniger Ansprüche man in Sachen Mitbewohner, Preis und Lage hat, desto einfach ist es.

Ich wünsche euch viel Erfolg und eine tolle Zeit in Edinburgh!

09 Oktober 2011

Zwischenstand nach zwei Jahren Promotion

Das schoenste an einem Blog ist die Zeitreise-Funktion, die zwangsweise damit aufgebaut wird. Gerade habe ich zwei Jahre zurueckgedreht und meine Erlebnisse des Oktober 2009 nacherlebt. Ohne dass ich es gemerkt habe, hat sich meine Anwesenheit in Edinburgh letzte Woche zum zweiten mal gejaehrt. Erwartungsgemaess hat sich sehr viel getan in der Zeit...

Den groessten Wandel habe ich jedoch erst kuerzlich vollzogen. Seit weniger als zwei Monaten setze ich meinen PhD an der University of Edinburgh fort. Viele rationale Gruende haben zu dem Schritt gefuehrt. Heute bin ich sehr froh, dass es geklappt hat. Zudem verlief er ueberraschend reibungslos, zumindest auf seiten der neuen Uni. Die alte Uni war natuerlich weniger erfreut ueber meine Entscheidung. Die meisten haben meine Entscheidung aber fairerweise nachvollziehen koennen. Ich bin vorallem gluecklich, dass meine beiden Betreuer mir die Entscheidung nicht uebel genommen haben (einer der Gruende war aber auch der Wechsel eines Betreuers an eine andere Uni).
An meine neue Umgebung habe ich mich relativ schnell gewoehnt. Heute sitze ich in einem Raum, der fuer sechs PhD-Studenten vorgesehen ist. Neben einem Gast-Masteranden aus Holland, teile ich den Raum mit zwei Suedkoreanerinnen, einer Britin und einer anderen nicht sehr gespraechigen jungen Dame. Generell sind die raeumlichen Bedingungen traumhaft. Das gesamte Gebaeude wird von Personen bevoelkert, die allein in meinem Forschungsbereich taetig sind. Von oben bis unten trifft man Studenten, Dozenten, Professoren, Gaeste und andere Leute, die aehnliche (Forschungs-)Interessen haben. Das Highlight ist der gemeinsame Aufenthaltsraum, Coffee Room genannt, der auch wirklich fuer regelmaessig stattfindende Gemeinschaftsaktionen genutzt wird. Nach zwei Jahren des Exisitierens in einer aus meiner Sicht und Lage befremdlichen und gewissermassen anonymen Umgebung einer Informatikschule, ist diese offene und durch und durch soziale Umgebung ein Hort des inneren Friedens.
Trotz der Lobeshymne muss ich aber ehrlicherweise eingestehen, dass es nicht ganz so einfach war. Nach zwei-drei Wochen kam ein Gefuehl subtilen Unwohlseins hervor, dessen Ursprung ich nicht ausmachen konnte. Im Nachhinein konnte ich es dann doch einfach zuordnen. Ich habe einen Kulturschock erlebt. Die Eingewoehnung in die neue Umgebung, das Aufbauen neuer Routinen, das Entdecken neuer Wege, das Kennenlernen neuer Leute, das "Ent-lernen" der alten Umgebung, die Entdeckung einer Distanz zu Kollegen und Freunden... all das, andere Veraenderungen und bestehende Probleme, haben mich stark belastet. Nachdem dieser Schock aber ueberwunden und verarbeitet war, konnte ich wieder mit voller Aufmerksamkeit weitermachen. Zur Ueberwindung hat geholfen, dass ich mit Arbeit ueberschuettet wurde.
Seit wenigen Wochen druecke ich wieder die Schulbank. SSK und SEPT sind die Abkuerzungen fuer Sociology for Scientific Knowledge und Social and Economic Perspectives on Technologies sind die beiden Faecher, die ich woechentlich als Gasthoerer besuche (letzteres wird von meinem Betreuer unterrichtet). Die Inhalte beider Faecher sind aus meiner Sicht bombastisch. In den letzten beiden Jahern habe ich mir autodidaktisch das Wissen ueber meinen Bereich angeeignet. Das Resultat war ein Mosaik aus Halbwissen und lueckenhaftem Verstaendnis... ein unbefriedigendes Gefuehl. Die beiden Faecher helfen nun, die Luecken zu schliessen und die epistemolgischen Inseln zu einem ganzen Kontinent zusammenzuschweissen. Nach zwei Jahren gefuehlter Dummheit ist es ein schoenes Gefuehl, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Natuerlich ist dies ein anderer Zug der ewigen Dummheit, der mir entgegenkommt. Dafuer ist es aber eine ganz spezielle Dummheit, die notwendig ist, um in meinem Fach voranzukommen... sorry fuer die Terminologie der Dummheit, aber ich wollte vermeiden hier anmassende zu behaupten, dass ich es nun endlich voll verstehen wuerde...

Soviel zum aktuellen Stand nach zwei Jahren der Promotion. Es ist Sonntag und ich will noch 'Meaning Finitism' von D. Bloor (1997, aus dem Buch Wittgenstein, Rules & Social Institutions) lesen, deswegen kommt hier ein direkter Cut!

15 August 2011

Reisebericht: European Conference on Information Systems 2011

Nach langer Zeit kommt nun ein laengerer Bericht, der leider auf Englisch ist. Ich war in Helsinki um auf einer Konferenz mein Paper in Form eines Posters zu praesentieren. Da ich dafuer von einer externen Organisation gesponsert wurde, durfte ich einen Bericht ueber die Reise verfassen. Anbei also der eingereichte Bericht.



Report about the attendance at the European Conference on Information Systems 2011 in Helsinki, Finland

Valeri Wiegel
Edinburgh Napier University
Funded by a conference/travel bursary from
The John Campbell Trust



The European Conference on Information Systems is an annual conference attracting researchers working in various disciplines. Their common interests are the research in and development of information and communication technologies. This year’s theme was ‘ICT and Sustainable Service Development’. It took place in the time 9-11 June 2011 and it was hosted by the Aalto University in Helsinki, Finland.
I successfully submitted a research in progress paper and was invited to present a poster. This document is a report about experiences I made during my stay in Helsinki and the attendance at the conference. I am thankful to the John Campbell Trust for awarding me a travel and conference bursary which covered a huge part of the expenses and, therefore, made it possible for me to attend the event.

Attending the conference was the main reason to travel to Helsinki. However, there was another reason which made Helsinki a very attractive destination. As I am applying activity theory in research I am particularly interested in getting to know researchers with the same interest. Fortunately, Helsinki is home of the CRADLE (Center for Research on Activity, Development and Learning) institute at Aalto University. The research undertaken in this institute is world class in the field of activity theory. Therefore I was keen on meeting researchers working at CRADLE. For his reason I contacted two of them and asked for an appointment far in advance. Among them was a professor I cited in my paper who agrred on meeting me. Prior to the start of the conference on 9 June I had the time to meet three researchers in their institute’s building. They introduced me to their research and, on the other hand, I reported about mine. During the meeting received great feedback and information about their current activities. At the end I was given some papers which fall into my area of interest. One researcher was kind enough to give my a short tour through the building and to introduce me to other researchers of that institute.

Before the actual conference started there was another event taking place. The CIO-Symposium is a kind of an event I have not known about before until attending the one prior to the ECIS2011 on 8 June. It consisted of four sessions with breaks in between. The format of a session is simple. Up to three researchers introduce their current research and up to three practitioners give feedback about it. The four general themes were ‘enterprise architecture and business value’, ‘outsourcing’, ‘innovation’ and ‘IT governance and risk’ (see http://www.ecis2011.fi/cio-symposium/). As my interest is set on innovation I liked the most the following presentation. Professor Ephraim R. Mclean from the Georgia State University, USA, spoke about the changing role of a CIO. In particular I found his matrix interesting which depicts how a CIO evolves from a technologist to an enabler to an innovator and, eventually, to a strategist (not necessarily in that order, however. See http://www.ecis2011.fi/wp-content/uploads/2010/11/EphMcLean.pdf)

What makes such an event interesting is the level of the practitioners which actually is indicated by its name. All practitioners were CIOs of the respective company they represented. The feedback given was directly drawn from experiences in their businesses. Their reflections provided valuable insights into their everyday difficulties in regards of the research undertakings presented. It was a good opportunity to observe how CIOs think and interact with research. The quote of the day was made by a CIO of a public organisation: “There are no IT projects, there are only projects”. He pointed out that at the end of the day it does not matter what technology your project is about, eventually you have to deal with similar problems over and over again.

The next day on 9 June the conference started with its first sessions of presentations. However, it was not until the afternoon when the first highlight occured.

Well-known key note speakers are crucial for a conference as they pull registrations. At the ECIS2011 it was Judy Wajcman from the London School of Economics who was invited to give the first key note. Her focus was interruptions in the workplace of knowledge workers and how they deal with communication media by negotiating their work strategies. The second keynote on the second day of the conference was given by Christian Grönroos. He spoke about value creation and the role of service providers and customers. In his work he distinguished that the service provider is a value facilitator, that value creation occurs only at the customer and that the service provider can co-create value only with his customer. It was a convincing appeal to focus on your customer.

The conference sessions were subdivided into 19 tracks ranging from ‘Behavioral, Social and Organizational Aspects of IS’ to ‘WEB2.0 – Business Value of Social Networks’. Of course one can only attend a limited selection of all the presentations available. So I selected in advance the ones interesting to me. Here is a short description of the presentation I liked the most.
A very interesting presentation was given by Dick Stenmark from Göteborg University, Gothenburg, Sweden. He reported about the development of an information system in the Swedish railroad industry. The research applied path creation theory to investigate the case. The theory basicaly explains that when a new structure, like a new information system, is introduced to replace a previously dominating structure, like an existing information system, then the outcome is that a new dominating structure emerges while a small rest of the old structure survives called residual structure. I noticed a similarity to my research and, therefore, was attracted by the way how this was described and depicted applying creation path theory. We had a short discussion afterwards about the way how I try to address similar problems in my research and how it is similar to his work. Another research that caught my attention was about the way how industrial research is funded in general. Afterwars, the presenter and I had a short discussion about unexpected outcomes of alternative funding models.
These were examples of presentations which somehow correlated with my research. Other presentation were valuable in terms of their methodological approach. Some presentation, on the other hand were fascinating due to their talented presenters. One certain presenter was by far the most impressive presenter at that event. Right at the beginning he obviously had a problem with stuttering. However, he managed to keep calm and continue speaking fluently. I noticed clearly how he applied breathing techniques to control his voice and the flow of his speech. I was not aware that one can learn so many diverse aspects about research and what is involved in doing research at such an event.

Every conference includes a dinner. The ECIS dinner took place in the evening of the first day. The ECIS organising team solved this, from my point of view, usually boring undertaking by choosing a pub-like venue with a buffet, finger food and some free drink vouchers. This setting resulted in a laid-back and fun atmosphere which encouraged getting to know each other and having conversations. At this occasion I got to know a number of doctoral students and other young researchers.

The poster session took place on Friday 10 June during lunch time in the lobby of the main building. All researchers who submitted a research in progress paper and who got accepted were asked to bring along a poster to present their work. My poster was one of approximately 30 posters which were put up for display. Over the next one and a half hour I talked to four people who really were interested in the content of my poster. We talked about research, discussed our interests and exchanged business cards to stay in touch. One person recommended a book which discusses a certain aspect of methodology I apply in my research. It turned out to be a valuable piece of resource which is now lying on my desk. Overall the poster session was an interesting part of the conference. However, I had the impression that only a little part of all attendees paid attention to the posters.

Although I am quite experienced with travelling by air (PhD in UK, case study in Germany) I learnt a lot about travelling at this trip. The most important lesson was not to save too much money for travel expenses. When I booked flights and accommodation I was eager to keep the costs as low as possible. Therefore, the airline I chose to travel with was Ryanair. Unfortunately the airport in Finland was about 2 hours away from Helsinki so I had to book tickets for the train as well. My accommodation was a hostel on a little island (Suomenlinna, a former prison island) off the coast of Helsinki. On paper everything seemed to be alright. Due to a change of the itinerary a week before the event I departed from Berlin instead of Edinburgh. Although this increased the expenses at the end I was happy to land close to Helsinki avoiding the long trip from the Ryanair airport in Tampere. The accommodation was great. A cheap and short ride with a ferry connected the island to the mainland. My stay in general was fantastic. Helsinki has an ideal size for a capital and I felt comfortable walking around in the city which offers beautiful buildings and places to visit. The stress set in on the day of the departure. During the train ride I was told that the student tariff is only valid for students studying in Finland. This was the first charge (15 Euro) I had to pay. In Tampere I took a bus to get to the airport. Surprisingly, the passengers did not have to pay anything as the door of the bus was open and the driver did not say anything when everybody sat down. At the airport we found out that we had to pay at getting out of the bus (6 Euro). Eventually I went to the check in. There the next surprise was waiting for me. The staff was weighing all hand luggage. Mine had an overweight of 4 kilos. After struggling with the content I decided to check it in as separate piece of luggage (40 Euro). In the end I faced extra costs of 61 Euro. Including all the stress of that day it was not worth it trying to safe money by travelling as cheap as possible.

To sum up, the conference was an informative and valuable experience. Going through the entire process of writing up a paper, submitting it to a conference, rewritting it after getting accepted and attending the conference is a lesson particularly important for researchers-in-training. I learnt many things and got to know many people. I want to thank the John Campbell Trust once again for their support.

11 März 2011

Wochenendreise zum Loch Lomond

Ein weiterer Post in aller Baelde ist eigentlich nicht (mehr) meine Art. "Es muss etwas passiert sein", denkt sich wohl ein regelmaessiger Leser. Und so ist es auch: Mein Geburtstag hat mich ereilt. Statt in aller Ruhe und im Kreise der engsten Freunde zu feiern und die Tage langsam anzugehen, habe ich mich fuer einen Wochenendtrip entschieden!

Also habe ich kurzerhand ein Auto gemietet (bei http://www.enterprise.co.uk/: preiswerte Wochenende-Angebote!) und bin mit Begleitung losgefahren (auf der korrekten linken Fahrspur natuerlich). Destination: Loch Lomond, der laut wikipedia der schoenste See des Landes sein soll.

An der Stelle frage ich mich, wie man die Schoenheit eines Sees eigentlich bemisst. Als ich vor Loch Ness stand fiel es mir schon schwer, diesen zu bewerten. Schliesslich hat man sehr viel Wasser vor sich und Wasser gibt es viel in Schottland. Ich vermute das drum herum traegt viel zur Siegernote bei. Nun aber weiter mit der Erzaehlung!

Als erste Etappe wurde Balloch bei Alexandria gewaehlt. Ein kleines touristisches Oertchen am Fusse des Sees. Dort angekommen wurde sogleich das Touristeninformationszentrum aufgesucht und die dortige Dame mit unserer Misere der drohenden Obdachlosigkeit konfrontiert. Die freundliche Dame lieferte prompt ein hilfreiches Prospekt mit saemtlichen Uebernachtungsmoeglichkeiten der naeheren Umgebung. Also wurde im naechsten Schritt der naechste Pub aufgesucht und das Prospekt studiert. Der Top-Favorit war ein B'n'B (Bed&Breakfast: woertlich uebersetzt Bett&Fruehstueck), das eine Sauna versprach. Leider ging auch nach mehrmaligen Anrufen niemand ans Telefon, was die Suche verlaengerte. Schnell wurde aber ein neuer Favorit anhand zweier Qualitaetsmerkmale entdeckt: es ist eine Farm und hat einen Aga-Herd (wikipedia-link zu Aga). Nach einem kurzen Telefonat brachen wir auf. Weil aber die Anfahrtsbeschreibung nicht hilfreich war, wurde die freundliche Dame aus dem Touri-Zentrum aufgesucht und befragt. Kurze Zeit spaeter fuhren wir auf den Hof der kleinen Farm, die den Namen Dumbain Farm traegt. Es war zwar knappe 100m vom Ortsrand entfernt, durch die Lage auf einem Huegel aber scheinbar vom Ort abgeschnitten. Man fuehlte sich in der Pampa. Herrlichst! Es gab einen Tee, Kaffee und Kekse-Empfang. Das BnB hat sofort ueberzeugt! Nachdem man sich eingenistet hatte, wurde noch eine kleine Balloch-Erkundungsrunde eingelegt. Selbst dieses kleine Oertchen hat ein kleines Schloss mit Parkanlage, die schnell abgeklappert war. Erwaehnenswerter war schon eher der anschliessende Restaurant-Besuch. Das Highlight war die Gelegenheit sich am Tisch neben der Feuerstelle niederzulassen. Nach einem Drink und einem kleinen Haeppchen war der Tag auch schon zu Ende.

Das Fruehstueck am naechsten Morgen liess keine Wuensche uebrig. Eine doppelte Portion Bacon (vegetarischen Begleitern sei dank) und weitere herzhafte Leckereien eroeffneten den Tag. Dann wurden die Sachen gepackt und die Reise zum Ben Lomond gestartet. Nach weiteren 45 Minuten atemberaubender Fahrt durch schottische Landschaften und Waelder war der Fuss des Ben Lomonds erreicht. In Schottland werden alle Berge hoeher 3000 Fuss (etwa 914m) 'Munros' genannt. Ben Lomond ist der meistbestiegene Munro (wie mir wikipedia leider gerade erklaert hat). Somit kamen uns im Lauf des Aufstiegs nicht wenige Bergbezwinger ueber den Weg gelaufen.

Leider war der Tag kein von der Sonne verwoehntes Spektakel. Der Gipfel lag hinter einer Nebeldecke verborgen, was sich spaeter als aeusserst herausfordernd entpuppte. Der anfaengliche Anstieg war eine Freude. Regelmaessig wurde angehalten, um den noch moeglichen Ausblick zu geniessen. Nach etwa zwei Stunden war man an einer Stelle, die nahe an der Nebelbank lag. Siegessicher drangen wir in den Nebel ein und verliessen die uns bekannte Welt. Vor uns lag das weisse Nichts. Der Gipfel lag zu diesem Zeitpunkt jedoch noch etwa eine weitere Stunde entfernt.

Es wurde immer kaelter und kaelter und der Weg zog sich immer weiter. Schliesslich lag Schnee unter den Fuessen und die Haare fingen an Frost anzusetzen. Irgendwann war das Ziel erreicht. Ein etwa 1,5m hoher Betonklotz gab uns Gewissheit, das Ende erreicht zu haben. Um uns herum war Nebel. Man konnte nur ahnen, welchen Ausblick es von dieser Position aus geben koennte. Schnell wurde der Abstieg in Angriff genommen. Nach etwa zwei Stunden war die Strapaze beendet und das Auto erreicht. Mit einer tiefen Zufriedenheit fuhren wir zurueck nach Edinburgh.

Eine Antwort moechte ich vorweg liefern auf eine Frage, die ich mir die ganze Reise ueber gestellt habe: auf dem Motorway gilt eine Hoechstgeschwindigkeit von 70 Meilen pro Stunde (etwa 115 km/h). Die einzige Problematik beim Fahren eines Rechtslenkers ist das Problem, dass man beim intiktiven Versuch zu schalten nach rechts zum Fenster greift. Zum Glueck waren es automatische Fensterheber, sonst haette ich zigfach das Fenster heruntergekurbelt anstatt in den naechsten Gang zu schalten.


Das Esszimmer in der Dumbain Farm



Das Bed&Breakfast von aussen

Der Aufstieg auf den Ben Lomond. Recht der Pfad, links der im Nebel verborgene Gipfel


Ein Blick auf Loch Lomond



Etwa 15 Minuten vom Gipfel entfernt

17 Februar 2011

Tagestripps und Reisen von Edinburgh aus

Nach einer weiteren langen Zeit der Stille kommt wieder ein Eintrag. Ein Dankeschoen geht an Anke, die mich motivert hat, diesen Blog weiterzufuehren!

Edinburgh an sich ist eine schöne Stadt, die es definitiv wert ist besucht zu werden. Meine Empfehlung an Besucher ist, wer länger als 3 Tage bleibt, sollte Zeit nehmen, sich auch mal das Umland anzuschauen. Ein Trip nach Glasgow ist damit nicht gemeint, es sei denn, das Ziel der Reise ist explizit dem Geldausgeben gewidmet. In der Hinsicht hat Glasgow in Sachen Shopping und Kultur mehr zu bieten als Edinburgh. Wer aber genug von Stadt hat, kann eine Tagesreise in die nähere Umgebung ausserhalb Edinburghs unternehmen. In diesem Eintrag berichte ich von einem solchen Tagestrip.

Die Motivation für einen Trip raus aus Edinburgh verdanke ich Em, die einen kurzen aber eindrucksvollen Gastauftritt in meiner Forschungsgruppe hatte. Gemeinsam haben wir uns von Ella, meiner Büromitbesetzerin, Tipps und Anregungen geben lassen. Mein Wunsch war zunächst, durch einen Wald zu laufen. Erstaunlicherweise findet man in Edinburgh so schnell kein von Bäumen dicht bevölkertes Gebiet. Ihre Empfehlung war das Gebiet um die Rosslin Chapel herum. Die Kapelle an sich ist bekannt als Kulisse für einen der Dan Brown Filme. Die Alternative war der Coastal Path entlang des Firth of Forth auf dem von Edinburgh aus gegenüberliegendem Küstenstreifen. Unsere Entscheidung fiel schließlich auf letzteres.
Die Empfehlung benannte Aberdour (gesprochen Aberdaur) als Start- und Kirkcaldy (das 'l' wird nicht ausgesprochen) als Endpunkte der Wanderung. Für die Reiseplanung ist die Webseite http://www.travelinescotland.com unschlagbar. Man gibt Start und Ziel ein und erhält mögliche und vorallem verläßliche Reiserouten zurück. Die Zugfahrt in den Norden ist bereits das erste beeindruckende Erlebnis, da man gleich zu Beginn der Reise über die alte Eisenbahnbrücke Forth Bridge auf die andere Küstenseite fährt. Nach 30 Minuten Fahrt steigt man in Aberdour aus (was wir beim Plappern fast noch vergessen hätten). Der Coastal Path Wanderweg ist zwar ausgeschildert, aber ohne minimale Knobelei und Raten kommt man auch nicht aus. Von Aberdour aus war die erste Zwischenstation in Burntisland (entgegen meiner anfänglicher Annahme wird es nicht Burn-Tis-Land ausgesprochen, sondern, was im Nachhinein einleuchtend ist, Burnt-Island; leider habe ich mich bereits so an die falsche Aussprache gewöhnt, dass ich diese schon sympathisch finde und nicht mehr loswerden kann).

**** An der Stelle findet eine Zeitreise statt, es ist nun etwa 4 Wochen spaeter und ich sitze in Berlin in einer Lounge. Der Text lag halbfertig rum und wird nun kurz vervollstaendigt und anschliessend veroeffentlicht.****

In Burntisland haben wir ins in einem kleinen Kaffee verkoestigt und aufgewaermt. Von da ging es an der Kueste entlang weiter. Weil es aber bereits anfing zu daemmern und wir langsamer vorankamen als gedacht, haben wir es uns in Kinghorn im 'Ship Tavern' gemuetlich gemacht. Nach einer angemessenen Mahlzeit haben wir von dort den Zug zurueck nach Edinburgh genommen.
Die Landschaft ist ein schoenes Erlebnis. Der Blick nach Edinburgh gehoert zu den Highlights. Die angefuegten Bilder geben ein paar Impressionen davon wieder. Wir waren inzwischen ein zweites mal auf dem Coastal Path unterwegs und haben das Stueck von Kinghorn nach Kircaldy abgeschlossen. Dieser Teil unterschied sich insofern dass es teilweise ein kleiner Pfad entlang durch hohe Buesche war. Meiner Meinung nach war aber der erste Teil der schoenere. Alles in allem ist ein solcher Tagestrip in kleiner Runde mehr als empfehlenswert.


Ein Foto in Richtung Edinburgh. Am linken Rand laesst sich Arthur's Seat erkennen, der Huegel in mitten der Stadt.

Aus dem Nichts tauchte am Wegesrand dieser kleine Wasserfall auf. Diese und weitere Stellen machen die Schoenheit der ersten Wanderphase aus.

Ein weiteres Bild Richtung Edinburgh zu einer spaeteren Stunde.



Ein Zoom zur Forth Bridge, eine alte Eisenbahnbruecke, die beide Seiten miteinander verbindet.



Im Hafen von Burntisland oder Kinghorn habe ich 'mein' Boot entdeckt.