22 April 2010

Das Leben eines angehenden Forschers ist vollgepackt mit interessanten Taetigkeiten. Neben dem Produzieren von heisser Luft, darf einer auch ab und zu an zumeist externen Veranstlatungen teilnehmen. Hierzu zaehlen Workshops, Praesentationen und, im grossen Rahmen, Konferenzen. Natuerlich gibt es viele weitere Arten solcher Veranstaltungen. Am Dienstag bin auch ich nun auf meine erste Quasi-Konferenz aufgebrochen.

Die London School of Economics and Political Science, genauer die Information Systems and Innovation Group, veranstaltet einen Workshop mit dem Titel "Social Studies of Information and Communication Technology". Zusammen mit einem von Studenten organisierten Wissensaustausch-Workshop waren insgesamt drei Tage dafuer vorgesehen. Vergangenen Dienstag bin ich also mit dem Zug in Richtung Sueden aufgebrochen. Gluecklicherweise wurde in dem Zug ein freier Zugang zum Internet angeboten. Ungluecklicherweise empfing ich waehrend der Zugfahrt die Nachricht, dass die gesamte Veranstaltung aufgrund der Flugverbote und der damit verbundenen Abstinenz der Hauptredner in den Juni hinein verschoben werden muss.

Noch waehrend der Reise holte ich das OK meiner Forschungsleiterin ein, dass ich dennoch in London bleiben darf. Schliesslich waren die Uebernachtungen und sonstiges schon gebucht.

Hier bin ich nun, gestrandet in London. Was macht man also als erstes als Gestrandeter? Erkunden natuerlich! :) Nachdem ich in der Jugendherberge (warum heisst das eigentlich heutzutage noch JUGENDherberge, wenn die meisten lange nicht mehr jugendlich sind???) eingecheckt habe, bin ich raus und habe mir die Stadt angeschaut. Da ich nicht zum ersten Mal in London bin, wusste ich in etwa was ich sehen wollte.




Big Ben und Buckingham Palace schienen mir genug zu sein fuer den Dienstag-Nachmittag. Gesagt, getan. Waehrend meines Spaziergangs entlang der Themse fiel mir wieder auf, wie schoen London wirklich ist. Es ist nicht nur eine moderne und reiche Stadt, sondern auch ein alter und architektonisch anschaulicher Ort. Das Highlight war aber mein Besuch des Piccadilly Circus.



Ich weiss nicht warum, aber ich liebe diesen Platz. Die riesige Reklametafel hat eine ungeheure Anziehungskraft auf mich. Nach unzaehligen Fotos ging ich zurueck in die ERWACHSENENherberge. Ich teilte das 6-Bettenzimmer zum Beispiel mit David. Geboren in Nigeria, aufgewachsen in Grossbritannien, studiert David das hiesige Gesetz. Wir hatten eine interessante Diskussion u.a. ueber russische Milliardaere. Er hat ein paar Tage in der Herberge verbracht, nachdem er seine Einzelwohnung nicht mehr leisten konnte (1000 Pfund / 1200 Euro pro Monat, ausserhalb Londons, Wahhhhhhnsinn).

Meinen zweiten Tage habe ich damit verbracht einen Ort zu finden, an dem ich bequem arbeiten und auf das Internet zugreifen konnte. Dank meiner Forschungsleiterin Hazel wusste ich, dass die British Library (DIE Britische Bibliothek Nummer 1) ein guter Anfang waere.




Die BL ist eine strikt geregelte Institution. Ich registrierte mich als Leser (mit Foto-Ausweis) und begab mich in die kontrollierten Leserbereiche. Dort darf man nur hinein, wenn man die Einschraenkungen beruecksichtigt. So darf man weder Jacken, Taschen, Stifte (ausser Bleistift), Nahrung noch Trinken in diese Bereich nehmen. Man darf sogar keine feuchten Haende haben!!! Immerhin darf man den Laptop mitnehmen. Da war ich also. Mit einer Plastiktasche, befuellt mit Laptop und sonstigem erlaubten Kram, lief ich durch die Gaenge und suchte nach einem freien Schreibtisch. Alles war voll! Einen Platz konnte ich doch noch ergattern. Aber ich fand schnell heraus, warum dieser unbesetzt war. Die Steckdose funktionierte nicht. Entmutigt ging ich wieder in den oeffentlichen Bereich, wo ich schliesslich einen guten Platz im Cafe-Bereich zum Arbeiten finden konnte.

Der dritte und heutige Tag fuehrte mich an die UCL, University College London. Diese ist Teil der University of London, welche in 19 unabhaengige, sogenannte Colleges aufgeteilt ist und insgesamt rund 170.000 Studenten beherbergt!




Wieder mal verhalf mir Hazel zu diesem Umstand. Ein ihr bekannter Kollege half mir aus und gewaehrte mir Asyl. Es sei erwaehnt, dass die UCL im letzten Jahr von "The Times Higher World University Rankings" als viertbeste Universitaet der Welt bezeichnet wurde (Harvard, Cambridge und Yale auf den ersten drei Plaetzen). So verbrachte ich den heutigen Tag in einem Studienraum an der UCL, einem Ort der zahlreiche Nobelpreistraeger und Staatsfuehrer hervorgebracht hat und bringen wird. Doch auch hier wird lediglich mit Wasser gekocht. Auch die Toiletten riechen wie Toiletten. Lediglich die Gaenge sind hoeher und groesser als sonst. Sehr interessant und sehenswert ist aber auch folgender Fakt: Jeremy Bentham, der grosse und reiche Stifter, theoretischer Vater des Panoptikums, der die Uni finanziell in den Olymp befoerderte, gewaehrte seinen Reichtum unter der Bedingung, dass seine sterblichen Ueberreste in der Uni ausgestellt werden. So kann man tatsaechlich in einer Kabine eine Figur sitzend beobachten, die seine Kleidung und darunter verborgen sein Skelett traegt. Der Kopf wurde uebrigens entfernt und gut verwahrt nachdem es des oefteren Opfer von Studentenstreichen geworden ist. Als weiteren Grund kann man auffuehren, dass der gute Mann seit 178 Jahren tot ist! Da schaut ein Kopf auch schon mal etwas unappetitlich aus!

So bleiben mir noch zwei Tage. Morgen plane ich wieder an die UCL zurueckzukehren und meine Arbeit fortzusetzen. Heute habe ich zusaetzlich eine mail an einen Professor geschickt, der meiner Meinung nach mein Forschungsinteresse teilt. Dieser hat tatsaechlich in kurzer Zeit geantwortet und mich an einen Kollegen verwiesen, der mir eher weiterhelfen koennte. Und nachdem ich auch diesen angeschrieben habe, hatte ich bald darauf einen Termin am naechsten Tag. So treffe ich morgen einen UCL-Mitarbeiter und unterhalte ich formlos mit ihm fuer rund 30 Minuten ueber unser gemeinsames Forschungsgebiet, wobei wir von verschiedenen Richtungen darauf schauen. Natuerlich hat er weit mehr Erfahrung als ich darueber. Schauen wir, was dabei herauskommt. Vielleicht nichts, vielleicht aber auch auf dem man aufbauen kann.

Am Samstag geht es wieder zurueck, aber nicht ohne dass ich die einzige Person treffe, die ich in London kenne. Dominik, ein alter Daimler-Kollege aus Ulmer Zeiten macht seinen PhD in London. Nachdem wir uns zuletzt bei einem Kaffee in Ulm unterhalten haben, treffen wir uns nun in seiner Stadt auf ein Mittagessen.

Damit war es das aus der britischen Hauptstadt!

09 April 2010

Ostern in Inveraray und Oban

Eigentlich war geplant, das Ostern-Wochenende friedlich abzusitzen, endlich "Der Baader Meinhof Komplex" anzuschauen und das Zimmer in Ordnung zu bringen. Doch dann kam die Sonne und mit ihr der Wunsch nach mehr.
Am Freitag Morgen saßen meine beiden PhD-Kollegen Darren (Irland), Stefan (Deutschland) und ich (Deutschland) schliesslich gemeinsam an Stefans Fruehstueckstisch, um einen spontanen Trip ins Umland zu planen. Da ich mich nachmittags mit anderen Leuten traf, musste ich die Planungsrunde vorzeitig verlassen. Ebenfalls spontan habe ich morgens ein Einladung auf die Besteigung des Arthur's Seat angenommen. Deswegen gibt es vorab drei Fotos vom hiesigen Huegel.





Jetzt aber der Trip! Das Bild unten verraet euch vorab, wie die Reise am Ende schliesslich verlief.



Um 10 Uhr am Samstag Morgen waren wir schliesslich im Bus unterwegs in Richtung Glasgow. Die etwa einstuendige Fahrt kann man bequem mit Hinausstarren und die schottische Natur bewundern verbringen.



Was der Film Braveheart einem ueber Schottland nicht verraet ist, dass es hier rote Schafe und geometrische Huegel gibt.
In Glasgow angekommen, stiegen wir gleich in den Bus nach Inveraray. Inveraray ist eigentlich kein unbekannter Ort fuer meine treuen Leser (Eintrag vom 22 Feb 2009). Einer meiner ersten Trips in schottische Umland fuehrte mich bereits dorthin. Das ist das Oertchen mit dem quadratischen Schloss.
In Inveraray angekommen, machten wir uns auf fuer eine Erkundungstour. Nach gefuehlten 10 Minuten war diese schon wieder beendet. Weil es zu dem Zeitpunkt immer noch hell draussen war, kamen wir auf die Idee einen Einweggrill samt Proviant zu kaufen und einen nahegelegenen Huegel zu besteigen.



In der Mitte auf dem Bild erkennt man einen einsamen Wachturm, der uns Schutz vor dem kalten Wind bieten und uns als Grillplatz dienen sollte. So machten wir uns also auf den Weg. Da Gehwege fuer Langweiler und Familien sind, gingen wir den kuerzesten Weg. Also ab zur Bruecke, ueber die Bruecke und querfeld ein bis an den Fuss des Huegels. Nachdem Stefan seine Hose gewechselt hatte, begannen wir mit dem Aufstieg.




Dass dieser nicht einfach war, zeigen die beiden Bilder. Nach rund ein oder zwei Stunden waren wir schliesslich oben. Dass die Aussicht wunderbar sein wuerde, konnten wir ahnen. Dass sie aber absolut traumhaft war, koennt ihr selber sehen. Gigantisch!







Who's the King of the Hill? Nach dem leckeren BBQ gingen wir wieder zurueck, diesmal aber auf dem familientauglichen Weg. Zurueck in Inveraray-City suchten wir die Jugendherberge auf und deponierten unsere Taschen, bevor wir den Tag mit je einem Besuch in den beiden einzigen Pubs und einem mitternaechtlichen Tomatensuppen-Snack beendeten. Am naechsten Morgen suchten wir mit Oban unser naechstes Ziel aus. Da der Bus sonntags aber nur zweimal faehrt und wir den ersten gegen 9 Uhr lang verpassten hatten, entschlossen wir uns, eine Wanderung entlang der Kueste zur naechsten Ortschaft, Furnace, zu machen, um die Zeit bis zum Abend sinnvoll verstreichen zu lassen. Etwa 10km lagen vor uns, was eine bequeme Distanz war, vorallem weil die Sonne schien und es relativ warm war.





Nach einigen Stunden waren wir schliesslich am Ziel: Furnace. Schnell stellten wir fest, dass Furnace nicht viel zu bieten hat: ein Laden, ein Post-Buero und, selbstverstaendlich, ein Pub. Ratet mal, wo wir hingingen? Nach einer Stunden Rast, verliessen wir den sehr gemuetlichen Pub, um nach einer grill-tauglichen Stelle fuer ein weiteres BBQ zu suchen. Da die Motivation und der Hunger aber gering waren und wir nicht schnell fuendig wurden, kehrten wir in die bequemen Gemaeuer des Pubs zurueck. Das BBQ wollten wir in Oban nachholen. Spaeter stiegen wir in den Bus zurueck nach Inveraray, weil fuer Zuruecklaufen keine Zeit blieb. In Inveraray angekommen warteten wir auf den Bus nach Oban. Leider mussten wir dann feststellen, dass die Plastiktuete mit dem Grillproviant verloren gegangen war. Die Laeden waren leider schon lange zu. So mussten wir schliesslich um des Verlustes trauernd und hungrig nach Oban reisen.
Auch Oban ist kein unbekannter Ort fuer mich. Wahrscheinlich fragt ihr euch nun, warum ich eigentlich an mir bereits bekannte Orte reise?! Ganz einfach: weil ich beim Entscheidungsprozess nicht zugegen war. Ausserdem ziehe ich es vor, einen Ort durch einen laengeren Aufenthalt kennenzulernen.
Oban ist huebsch. Ehrlich gesagt war es das auch schon. Ich hab somit gar keine Bilder davon gemacht.
Und damit sind wir schon am Ende dieses Eintrags. Als Abschluss packe ich noch ein aktuelles Foto meinerseits ein, damit ihr mich nicht vergesst.

27 März 2010

Neues UK Hobby

Im Januar habe ich noch verkrampft einen Eintrag verfasst, um ihn noch im Januar abzulegen und nun habe ich den ganzen Februar verpasst! Schwierig.
Die vergangenen zwei Wochen waren arbeitsreich, somit war mir der blog aus dem Kopf gefallen.

Anstatt aber auf die langweilige Arbeit einzugehen, werde ich euch mein neustes Hobby vorstellen! Schon oefter habe ich von Briten die Aussage gehoert, dass sie es moegen, wie sauber deutsche Staedte seien. Britische Staedte hingegen sind weniger sauber. Ich habe mich nun auf ein spezielles Phaenomen spezialisiert: Muelltueten in Baeumen. Es ist erstaunlich wieviele Muelltueten man in Baeumen haengend findet, wenn man nur darauf achtet.
Mein Ziel ist es nun, durch eine Langzeitdstudie, die Briten auf diese Misere aufmerksam zu machen und langfristig das staedtische Bild zu verschoenern. Ja, ich fotografiere von nun an Muelltueten in Baeumen. Noch fehlt mir ein virtueller Ausstellungsraum, doch das ist nur ein kleineres Problem. Ich werde ueber meinen Fortschritt berichten.

In der Zwischenzeit koennte ihr euch von meinen besten Beweisstuecken inspirieren lassen:



31 Januar 2010

Die ersten vier Monate


Es ist gerade der 31. Januar, 23:18 Uhr, und ich habe gerade mal 42 Minuten, um diesen Beitrag noch im Januar zu veroeffentlichen. Vor 45 Minuten bin ich vom Kino zurueckgekommen: The Book of Eli. Schoener Film, bringt einen zum Denken. Auch mich, jetzt gerade. So kam mir die Idee, die vergangenen PhD-Monate zusammenzufassen.
Der Beginn des PhD-Daseins ist auf den 5. Oktober 2009 datiert. Somit sind gute vier Monate vergangen.
Den ersten Monat Oktober habe ich damit verbracht, mich in Edinburgh einzufinden. Dazu gehoerte die mehrwoechige Suche nach einer Wohnung, die schliesslich in einer Fehlentscheidung endete. Eine positivere Interpretation betrachtet den Einzug eher als notwendiges Uebel, da ich sonst nicht meine liebe Mitbewohnerin kennengelernt haette, mit der ich gemeinsam in absehbarer Zeit wieder ausziehe.
Die folgenden beiden Monate November und Dezember habe ich mich mit Theorie beschaeftigt. Die ersten gelesenen Paper feuerten mein Interesse weiter an, steigerten aber gleichzeitig auch die Frustration: Fachbegriffe ueber Fachbegriffe, mal aus der philosophischen, mal aus der soziologischen und mal aus der soziotechnischen Ecke. Und das auch noch auf englisch. In dieser Zeit lernte ich, Wikipedia liegen zu lassen und ein gedrucktes Dictionary in die Hand zu nehmen. Vor meinem Weihnachtsurlaub musste ich einen ersten Zwischenbericht abliefern. Das Ergebnis war eine Ernuechterung und vermittelte eine realistische Vorahnung auf die kommenden Jahre.
Der vierte Monat Maerz war zum Durchatmen. Inklusive des Weihnachtsurlaubs hatte ich rund sechs Wochen Aufenthalt in Deutschland. Die Zeit wurde genutzt, um Theorie abzuarbeiten und in die Praxis einzusteigen. Ich arrangierte Treffen mit alten Freunden und lieben Kollegen, um meine Forschungsrichtung vorzustellen und Ideen einzuholen. Ein Kontakt zeigte ausserordentliches Interesse. Die naechsten Monate werden zeigen, wie weit das Interesse reicht.

Nun blicke ich zurueck und ueberlege, ob ich die Entscheidung den PhD zu beginnen, ein weiteres mal treffen wuerde. Die ganze Geschichte hat klar ihre Nachteile. Es gibt viele und grosse Nachteile. Doch am Ende ueberwiegen die Vorteile. Ich wuerde mich klar erneut fuer einen PhD entscheiden.

Das Bild habe ich waehrend eines Kurzurlaubs in Montpellier, Frankreich, geschossen, bevor ich wieder nach Edinburgh zurueckkehrte. Es zeigt meiner Deutung nach eine Person, die ohne Orientierung ist. Paradox wirkt auch die Situation. Er ist allein und erinnert mehr an einen Einwohner Montpelliers. Warum also eine Karte? Deja vu.

Die Zeit rennt. 23:55 Uhr. Schnell auf "Post veroeffentlichen klicken"!

17 Januar 2010

Zwischenreport aus Deutschland


Die Zeitraeume zwischen den posts werden leider nicht kuerzer. Schauen wir, wie es sich weiterentwickelt.
Seit mehreren Wochen bin ich zurueck in der Heimat in Ulm. Zum einen um die Weihnachtszeit mit der Familie zu verbringen, aber zum anderen auch, um in Sachen PhD etwas voranzukommen. Ich habe die Zeit genutzt, ehemalige Kollegen und Freunde zu treffen und mit ihnen ueber mein Promotionsthema zu sprechen. Weil ich eine praxisorientierte Person bin, moechte ich die Distanz meiner theoretischen Arbeit zur Praxis minimieren. Das Minimalziel war, Anregungen und Ideen aufzuschnappen, um die Spannweite moeglicher Themen einzugrenzen.
Zwei Treffen haben inzwischen stattgefunden. Ein drittes kommt in den naechsten Tagen hinzu. Ich bin gespannt auf dieses Treffen, weil die andere Seite Interesse angedeutet hat.
In 7 Tagen endet die schoene und unbeschwerliche in Ulm und im Hause meiner Eltern. Dann mache ich einen 3-taegigen Urlaub in Montpellier, Suedfrankreich, bevor ich wieder nach Edinburgh zurueckkehre. Zurueck in die WG, die ich groesstenteils nicht vermisst habe. Haette ich nicht so eine liebe Mitbewohnerin wie Christine, dann wuerde ich gar nicht erst zurueck wollen.
Wie ihr sehen koennt, habe ich endlich wieder eine vollwertige Digital-Kamera. Ein Dankeschoen an meinem alten Freund Stefan, der selbst gerade ein Auslandssemester in den Staaten verbringt. Die Bilder unten zeigen den monolithischen Neubau der Hochschule Neu-Ulm. Die Hochschule hat meiner Meinung nach die Chance verpasst, architektonisch positive Akzente zu setzen. Das obere Bild wurde in der Uni Ulm geschossen.



16 Dezember 2009

Maggots und Ueberraschungstrip nach Ulm

Uhhhh... das waren nun etwa drei Wochen, die ich kein Lebenszeichen von mir gegeben habe. Nun ja, ich war wohl ein wenig 'beschaeftigt'. Ohne Umschweife gehts nun also ans Geschichtenerzaehlen.
Vor wenigen Tagen war ich daheim in Deutschland. Ich habe vor etwa drei Wochen auf der Ryanair-Webseite Billigfluege fur 16 Pfund (weniger als 20 Euro) entdeckt: Hin- und Zurueck nach Memmingen! Da habe ich nicht lange ueberlegt, sondern sofort zugeschlagen. Eigentlich geht mein 'Weihnachtsflug' erst kommenden Samstag nach Deutschland. Doch ich habe mich aus einem bestimmten Grund dafuer entschieden. Vergangenen Freitag fand die Falcons-Weihnachtsfeier, mein alter und ewiger Baseballclub, statt. Da dieser sogar teilweise von meinen Softballdamen auf die Beine gestellt wurde, hatte ich einen besonders starken Drang teilzunehmen. Natuerlich habe ich niemandem was verraten (ausser Flo, sorry). Es war eine grosse Freude, alle wiederzusehen. Noch schoener war es zu sehen, dass sich die anderen auch gefreut haben :)
Da Angie nicht anwesend war, durfte ich die Pokalverleihung fuer die Damen machen (Foto).

Im Anschluss an die Feier wurde mit einer ausgewaehlten Runde im Roxy zu 90er Musik weitergerockt. Auch dies war ein Highlight. Georg (~40), einer meiner beiden grossen Mentoren und Vorbilder im Baseballsport, hat sein mir bis dato unbekanntes Tanztalent ausgepackt und die geilsten Moves vorgelegt. Ein herrlicher Tag!
Die Tage zuvor habe ich meine ehemaligen WG-Mitbewohner besucht. Andreas das Goldstueck war sogar so lieb gewesen und hat mich am Flughafen abgeholt. Da die Angela nichts von meinem Besuch wusste, war sie ganz schoen ueberrascht. Gemeinsam haben wir dann den Ulmer Weihnachtsmarkt besucht. Ein weiteres Highlight war selbstverstaendlich das Wiedersehen mit meiner Familie, insbesonderen den vier Kids meines Bruders!

Vor meinem Abflug gab es ein anderes, nennenswertes Event. Maggots! Seit etwa zwei Wochen tauchte hin und wieder eine dieser braunen Fliegen auf, dessen genauen Namen ich nicht kenne. Eine Woche vor meinem Abflug fanden wir auch die ersten Maggots in der Kueche. Der erste Fall war, als ich einen Teller aus dem Schrank rausnahm und ein Maggot rausfiel. Einmal ist keinmal. Der zeite Fall wurde von Christine (Mitbewohnerin) und mir entdeckt, als wir am Herd standen. Da waren auf einmal zwei Maggots direkt neben dem Kochfeld. Das war schon unangenehm. Zweimal ist Zufall. Der dritte Fall wurde von Christine gemeldet. Nach dreimal muss man zwangsweise anfangen nachzudenken. Ach, Maggot ist die englische Bezeichnung fuer Made. Wie es sich herausstellte, war eine Packung Haferflocken von ihr befallen. Spaeter hat auch ein weiterer Mitbewohner Maden in seiner Packung entdeckt. Das denkwuerdige dabei aber war, dass die Verpackung noch verschlossen war!!! Baehhhh, danke Tesco!!!
Ich bin aber noch nicht fertig mit meinen Kuechengeschichten. Diese Tage ging ich nachts in die Kueche, um dort irgendetwas zu machen. Ich mache die Tuer auch, schalte das Licht ein, gehe zu meinem Schrank und sehe aus dem Augenwinkel, dass sich etwas bewegt. Mein Blick war zu langsam, da war es schon wieder weg. Ich konnte nur noch hoeren, wie 'es' sich verfluechtigte. 'Hallo, Jerry! Auch schon da?' war mein Gedanke...

Nun ja... so ist es hier in dieser WG :) Mein Zimmer ist natuerlich anders! Ein Hort der Sauberkeit, Ordnung und Liebe!
Wirklich!

24 November 2009

SICSA DEMOfest

Heute durfte ich an einer interessanten Veranstaltung teilnehmen. SICSA ist eine Organisation, die die Foerderung der schottischen Forschung im Bereich Technik als Ziel hat. Schottland gehoert in diesem Bereich bereits zur Weltspitze, doch die Leute hier Ruhen sich nicht auf diesem Thron aus, sondern sie arbeiten hartnaeckig weiter.
Das DEMOfest bot schottischen Unis die Moeglichkeit, sich zu praesentieren und potentielle Partner aus der Industrie oder Wirtschaft zu gewinnen. Auf, in Anbetracht der zahlreichen Besuchern, relativ kleinen Raum hatte jedes praesentierte Projekt Platz fuer einen Laptop und ein Poster, welches das Projekt beschreibt. Wer interessiert war, konnte direkt mit dem Forscher sprechen.
Daneben gabs die Moeglichkeit, Leute kennenzulernen und wiederzusehen. So habe ich auch das Glueck gehabt, Ali wiederzusehen. Ueber Twitter (Achtung: Nutzen!) wusste ich vorab, dass er anwesend sein wird. Wie es sich herausstellte, wusste er das auch ueber mich (ich habe es ebenfalls vorab getweetet!). Ali habe ich Anfang des Jahres auf einer anderen Veranstaltung kennengelernt. Er forscht in einem aehnlichen Bereich, kommt aber aus einer anderen Richtung. Leider fehlt mir an der Napier Uni ein PhD'ler mit dem ich mich austauschen kann. Deswegen war es interessant, wenn auch nur kurz mit ihm zu reden. Das hat aber bereits gereicht, um eine interessante Idee aufzuschnappen!
Aber es gab natuerlich weitere interessante Dinge, ueber die ich erzaehlen mag. Die meiner Meinung nach faszinierendste Technologie war das Eye Tracking. Hierbei wird die Bewegung des Augens beim Betrachten eines Videos verfolgt. Das gezeigte Video am Stand (wer mag, kann z.B. hier selber nachschauen: Link zum Video) war eine Sammlung an Daten von etwa 20 Personen. Man kann wunderbar erkennen, was die Aufmerksamkeit der Masse auf sich zieht. Der Psychologe im Projekt erklaerte mir auf Nachfrage die Details. Ich koennte mir hunderte, moegliche Einsatzmoeglichkeiten fuer diese Technologie ausdenken!
Eine andere Technologie war eine technische Handprotese, die an eine Taschenlampenhuelse befestigt war, quasi eine mobile Protese fuer unterwegs. Auf Knopfdruck schloss oder oeffnete sich die Hand. Das erinnerte mach an die Simpsons-Episode mit der Affenhand, die jeden Wunsch erfuellte, aber stets eine teuflische Seite mit sich brachte.
Zuguterletzt habe ich noch das altbekannte Spiel "Vier gewinnt" gespielt. Aber nicht gegen irgendwen, sondern gegen irgendwas! Mein Gegner war ein Roboterarm, der vor mir auf ein Podest geschraubt war. Ueber eine Webcam wurde das Spiel gefilmt, damit der Computer "lesen" konnte, wie die Spielsteine sind. Der Arm hat dann lediglich einen Spielstein aufgenommen und ihn in die jeweilige Reihe fallen lassen. Ich habe es lange ausgehalten, doch am Ende war er in der besseren Situation. Ich habe gegen den robotischen Arm verloren, der auch noch einen Siegestanz vorfuehrte, um die Niederlage perfekt zu machen.
Edinburgh ist eine vielseitige Stadt. Wenn man moechte, kann man viel sehen und mitmachen. Ich habe großen Gefallen daran gefunden. Fast jede Woche gibt es irgendwo eine interessante und fachbezogene Praesentation.
Morgen frueh findet bereits das naechste Event statt. Ich habe mich freiwillig gemeldet, bei der Organisation einer PhD-Konferenz fuer naechsten Juni mitzuhelfen. Eine gute Gelegenheit, wieder ein paar Leute kennenzulernen.

Sorry, dass ich keine Bilder liefern kann. Derzeit fehlt es mir an Ausruestung. Und nochmal sorry, dass die Beitraege derzeit nichts skandaloeses an sich haben. Ich warte selber auf die naechste heisse Story!